Das Purpose Interview mit Doris Kellner

Trauerbegleiterin, Eheberaterin, Fachfrau für existentielle Fragen, Ehefrau, Tochter, Mutter, Oma, Krimi-Mimi

Das Purpose Interview mit Doris Kellner

Trauerbegleiterin, Eheberaterin, Fachfrau für existentielle Fragen, Ehefrau, Mutter, Oma, Krimi-Mimi

7 Fragen in 7 Minuten mit 7 Gedanken zu tieferem Sinn.
Spannende Menschen – spannende Antworten. Das zentor Purpose Interview

Doris Kellner

„Kann Krise“ – gut geübt im aushalten und mittragen

An die eigenen Grenzen gehend – und oft auch darüber

Als Theologin, Trauerbegleiterin, Mensch auf der Suche nach dem „dahinter“

"Interessiert an Gott und der Welt"

Ich denke, wir streben als Menschen danach, dass unsere Grundbedürfnisse befriedigt werden. Wir wünschen uns gesund und satt zu sein und in einem sicheren Umfeld leben zu können. Wir streben nach Anerkennung und Wertschätzung  und wünschen uns sichere Beziehungen, besonders innerhalb partnerschaftlicher und freundschaftlicher Beziehungen.

Wir streben auch danach, mit uns selbst in einer inneren Balance und Harmonie zu sein, in der wir uns selbst bejahen können.

Zusammenfassend würde ich sagen: wir streben nach einem glücklichen Leben, in dem es uns möglich ist, existenzielle Krisen und Schicksalsschläge zu bewältigen, ohne an ihnen zu zerbrechen, sondern bestenfalls an ihnen sogar zu wachsen. Hier ist auch der Ort, an dem sich die Frage nach dem „Woher und wohin?“ unseres Seins auf diesem Planeten stellen kann.

Für mich gibt es die kleinen und die großen, überwältigenden Glücksmomente.

Zu den kleinen Augenblicke des Glücks zählen für mich die vielen Wunder in der Natur,
eine kleine Blume, die die Kraft hat hoch in den Alpen zu blühen,
ein Marienkäfer, der sich zum Flug bereitmacht,
oder das Lachen meiner Enkelkinder,
eine hochbetagtes Paar, das sich beim Spaziergang an den Händen hält,
es sind oft nur kurze Momente, die mich staunen lassen und mich innerlich berühren.

Daneben gibt es für mich auch die großen Glückserfahrungen.
Es sind tiefe, einschneidene Erfahrungen, wie meine Hochzeit, die Geburt meiner Töchter oder auch das erfolgreiche Ende eines langen Ausbildungsweges.

Da ich seit vielen Jahren regelmäßig in kontemplative Exerzitien gehe, habe ich in diesen Zeiten des äußeren Schweigens immer wieder die spirituelle Erfahrung von innerem Schweigen und Verbundenheit mit allen Menschen und der Natur machen dürfen. Dieser große innere Friede vermittelt mir noch etwa Größeres als ein Gefühl von Glück.

In meiner Arbeit als Klinkseelsorgerin habe ich viele Eltern begleitet, deren Baby nicht lebend zur Welt kam oder kurz nach der Geburt verstarb. Und immer stand die Frage nach dem Sinn dieses Geschehens im Raum. Und gleichzeitig gab es keine Antwort auf dieses „WARUM?“.

Wenn Menschen auf eine solch existenziell tragische Lebenserfahrung eine Sinnantwort suchen, dann bedeutet dies meist einen langen Suchprozess und manchmal wird es dem betroffenen Menschen möglich, dieses „Warum“ in ein „Wozu“ umzuwandeln und hier für sich eine Antwort zu finden.

Für mich persönlich bedeutet die Frage nach dem Sinn ein immer tieferes Eintauchen in die göttliche Wirklichkeit, die alles durchdringt und mich selbst als ein Teil dieser schöpferischen, lebenserhaltenden Kraft zu erleben. Das bewirkt eine immer tiefere Selbsterkenntnis und verändert den Blick auf das Leben, ganz konkret auch das Alltagsleben.

Ich liebe es draußen in der Natur zu sein und dabei mit allen Sinnen wahrzunehmen und ganz in die Umgebung einzutauchen, sei es in den Bergen, im Wald, während eines schönen Spaziergangs. Am besten gelingt mir dies, wenn ich ganz alleine unterwegs bin.

Es ist aber auch wunderschön Rad zu fahren, Ski zu fahren oder Langlaufen zu gehen und dabei den Körper in den Bewegungen und in seiner Kraft zu spüren.
Ich kann mich aber auch völlig in einem guten Buch verlieren.

Was mich ebenfalls sehr vereinnahmt, sind Begegnungen und intensive Gespräche, in denen der äußere Rahmen plötzlich nicht mehr wahrgenommen wird, da der Fokus ganz beim Anderen liegt. Da ich auch viele Jahre an einer therapeutischen Beratungsstelle gearbeitet habe, fallen mir Gespräche mit Klienten ein, die sich tief geöffnet haben. Dieses Vertrauen hat meine gesamte Aufmerksamkeit und Präsenz gefordert und ich habe solche Begegnungen immer auch als für mich sehr bereichernd erlebt.

Schon meine Mutter sagte von mir, dass ich ein kleines Steh-auf-Männchen bin: Die Gabe, immer wieder auf die Füße zu fallen, egal, was so kommt im Leben.

Da sind zum einen verschiedene LeiterInnen von Exerzitien, die mich durch ihre eigenen Glaubenserfahrungen auf meinem spirituellen Weg bestärkt und unterstützt haben.

Zum anderen bin ich in meinem Arbeitsleben vielen Menschen begegnet, die mich durch ihre Art auf einen Schicksalsschlag zu reagieren sehr beeindruckt haben. Sie sind ihren Emotionen nicht ausgewichen, haben ihre eigenen Ressourcen aktiviert und sich nicht gescheut, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und manche Menschen waren so stark in ihrem Glauben verwurzelt, dass sie darin Halt fanden. Diese Haltung hat mich oft sehr beeindruckt und berührt.

Für die Suche nach dem Sinn in meinem Leben ist auch meine Familie ein wichtiger Impulsgeber. Da wäre der Tod meines Vaters und das hohe Alter meiner Mutter, die mich mit der Frage nach dem Sinn am Ende meines Lebens konfrontieren. Da ist aber auch die Dankbarkeit über die Möglichkeit miterleben zu dürfen, wie die nächste und auch schon die übernächste Generation ihren Weg im Leben sucht und findet. Und mich dadurch als Teil eines langen „Menschheitsflusses“ zu sehen.

Mich wesentlich unterstützt auf meinem Weg haben Schweigeexerzitien mit sehr erfahrenen BegleiterInnen und meine wöchentliche Meditationsgruppe.

Ein gutes spirituelles Buch lesen – zu meinen Favoriten gehören:
W. Jäger: Suche nach dem Sinn des Lebens
K. Schaupp: Gott im Leben entdecken
F. Jalics: Kontemplative Exerzitien

Auch in den Programmen verschiedener Orden findet man tolle Angebote. Zu empfehlen ist sicher der Jesuitenorden, der sich auf Exerzitien und Begleitung seit ihrem Ordensgründer spezialisiert hat.

Und für mich ganz wichtig: Sich auch im Alltag immer wieder kurze Momente gönnen, um ganz bei sich und seinem Tun zu sein.

Ausgestattet mit einer tiefen Sehnsucht und immer auf der Suche nach dem „mehr“, geht sie den Fragen des Lebens auf den Grund. In den schwierigen Stunden des Lebens, wenn sich die existenziellen Fragen stellen, ist sie ganz präsent und steht ihrem Gegenüber bei. Als zuverlässiger Partner und selbstloser Kümmerer, immer ausgestattet mit einem prall gefüllten Proviantbeutel, einer Kerze und einer Packung Taschentücher – Ordnung muss sein.

Aktuelle Projekte

 „Übergang in die arbeitsfreie Lebensphase“

Bewusst habe ich mir für die kommenden Monate keine konkreten Pläne gemacht, denn ich will offen sein für die Aufgaben und Themen, die auf mich zukommen werden. Und dabei hatte ich mich auch auf Zeiten des „Nichts“ gefreut.

Wie ist der Stand: Die Tage und Wochen füllen sich wie von selbst. Glücklicherweise mit vielen tollen Erlebnissen mit meinem Mann und meiner Familie.