Wie passt Wissenschaft und Glück zusammen?

Die Grundlagen für unser zentor Modell für Das Streben nach Glück — von Aristoteles bis Seligman

Kann man sich einem eher unwissenschaftlichen Begriff wie Glück auch wissenschaftlich nähern? Wir glauben: Man kann!

Unser Ansatz bei zentor sucht Antworten abseits der Räucherstäbchen und Motivationsgurus: In einem Video liefert zentor Gründer Dr. Valentin Schellhaas einen Überblick von den alten Philosophen bis hin zu moderner Glücksforschung — als Grundlage für ein integriertes Modell für das Streben Glück.

https://www.youtube.com/watch?v=BDFbJsQwJN0

Kann man Erfüllung messen?

Wie fühlen Sie sich heute: 50 Einheiten glücklich? Ein Pfund erfüllt? Drei Stück zufrieden?

Was auf Anhieb erst einmal vollkommen absurd klingt, ist gar nicht so weit entfernt von dem Versuch, den Psychologen und vermehrt auch andere Disziplinen seit Langem unternehmen: Wege zu finden um Abstrakte menschliche Konzepte und Gefühle in Zahlen zu fassen.
Die meisten Messmethoden beschäftigen sich mit psychischen Erkrankungen und Defiziten menschlichen Erlebens oder Verhaltens. Doch es gibt auch einige Modelle, die sich direkt oder indirekt mit Glück bzw. Erfüllung befassen — manche mehr, manche weniger praxisrelevant für die aktuelle Stimmung einer Person oder eines Teams.

Wozu Erfüllung messen?

Wenn alle Menschen glücklich und zufrieden wären, würde sie vermutlich auch eine Zahl die das ausdrückt (vielleicht 42?) glücklich machen. Und wenn es Gruppen von Menschen, Firmen oder Gesellschaften gibt, in denen Erfüllung draußen am Eingang abgegeben wird, wäre es doch schön, wenn wir diese gelegentlich hineinbitten können. Dazu muss man jedoch die Ursachen für Erfüllung verstehen und Veränderungen über die Zeit erkennen können.
Ein guter Fragebogen hierzu erfasst also einerseits möglichst treffend die Gefühlslage, die wir etwas vage als Erfüllung oder Glück beschreiben. Andererseits misst er auch so präzise und verlässlich, dass Vergleiche über die Zeit oder zwischen Gruppen von Menschen möglich sind. Das erste Kriterium nennen die Psychologen Validität, das zweite Reliabilität — und beide sind Gegenstand vieler dröger Bücher und nicht-enden-wollender, unfassbar trockener Vorlesungen im Studium. Diese Gütekriterien sind allerdings wesentliche Grundlage empirischer Arbeit.


Wissenschaftliche Methoden zur Messung zu Glück, Stimmung, Affekten und Lebenszufriedenheit

Ein erstaunlich großer Anteil der Messinstrumente zu Glück sind Fragebogen mit genau einer Frage, nämlich wie glücklich man sich fühlt. Im Falle des umfangreichen European Social Survey (ESS) lautet die Frage alle zwei Jahre seit 2002 ganz konkret: "Alles in allem betrachtet, was würden Sie sagen, wie glücklich sind Sie?". Die Einfachheit ist überzeugend und die Ergebnisse vermutlich verlässlich, für eine tiefergehende Betrachtung der Ursachen von Glück reicht eine einzelne Frage allerdings nicht.

In der Affektforschung weit verbreitet ist der PANAS (Positive and Negative Affect Schedule), ein Fragebogen mit je zehn Items zu positiver und negativer Stimmung der fragt "Bitte geben Sie an, in welchem Ausmaß Sie sich in letzter Woche wie folgt gefühlt haben:" und dann auf einer 5-Skala Begriffe werten lässt wie: aktiv, bekümmert, interessiert, verärgert, etc. Die Annahme für die Glücksforschung ist hier, dass Menschen eher glücklich sind, wenn positive Itemscores die negativen überwiegen. Das ist sicher nicht verkehrt, erfasst meiner Meinung nach aber nicht das, was wir unter Glück verstehen. 

Über die Zeit entwickelten sich auch einige allgemeine Instrumente zur Messung psychischer Gesundheit, wie z.B. der Index of Psychological Well-Being, ein Konzept von Bergman von 1971, um psychische Gesundheit in der allgemeinen Bevölkerung zu messen. Die acht Items des Fragebogens erfassen, wie oft Teilnehmer positive Gefühle oder negative Gefühle verspürt haben. Weiterhin gibt es Fragebögen rund um das Thema Lebenszufriedenheit, mit Anwendung nicht nur in klinischer Psychologie, sondern auch in der Ökonomie oder Soziologie. Beispiele wären das Quality of Life Inventory oder das Life Satisfaction Inventory.
Beide Forschungsrichtungen sind für die jeweiligen Bereiche psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit sehr sinnvoll, konzentrieren sich aber eher auf klinische Symptome als auf Ursachen, und sind damit nur bedingt einsetzbar für die Messung von Erfüllung.

In der positiven Psychologie gibt es Messinstrumente, die durch solide Grundlagenforschung die Ursachenvon Glück oder Erfüllung umfassender beschreiben und wesentliche Glücksdimensionen berücksichtigen. Besonders hervorheben ist das von Martin Seligman entwickelte PERMA Model zu "Flourishing" (in etwa "aufblühen, gedeihen"). Die Grundfaktoren in dem Modell sind Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinn und Erfolge, die in einem Fragebogen mit 23 (Kurzfassung: fünf) Items verankert wurden. Daneben gibt es viel empirische Forschung und weitere Messinstrumente die an Seligmans Modell angelehnt sind — einige davon auch für die Allgemeinheit zugänglich über https://www.authentichappiness.sas.upenn.edu/testcenter. 

Einen spannenden Ansatz verfolgt das Land Bhutan, das aus gesellschaftlicher Überzeugung seit dem Jahr 2008 anstelle des Bruttosozialprodukts (GDP) nun Bruttonationalglück (Gross National Happiness GNH) misst — sehr umfangreich über neun verschiedene Lebensbereiche. Dieser Vorstoß hat die UN übrigens 2011 zu der Resolution bewogen, andere Nationen zu ermuntern, dem Beispiel Bhutans zu folgen; sprich Glücksmessung und -förderung als gesellschaftspolitische Ziele zu verfolgen.

zentor Purpose Score

Erfüllungsmessung für die Praxis: 
Der zentor Purpose Score

In Anlehnung an den Überblick theoretischer Ansätze zu Glück und der Entwicklung eines integrierten Ansatzes, haben wir bei zentor ebenso einen Messinstrument entwickelt, dass die besten Methoden kombiniert und den Spagat zwischen solidem wissenschaftlichen Fundament und pragmatischen Praxisbezug schafft — unser zentor® Purpose Score.
Mit acht kurzen Fragen schaffen wir es, das Thema aktuelle Stimmung/Energie sowie die wesentlichen Ursachen für Erfüllung (Sinn, Engagement, Wertschätzung) abzubilden. Durch Kooperationen mit Universitäten arbeiten wir kontinuierlich daran, wissenschaftlichen Gütekriterien zu genügen und die Methode zu verfeinern.

Probieren Sie den Purpose Score gern selbst aus: Durch ihre Teilnahme helfen Sie uns auch, diesen weiter zu entwickeln: https://app.zentor.de/survey

Der zentor Purpose Score ermöglicht uns die Bestimmung und das Beobachten von Trends

  • Individueller Erfüllungsowie der
  • Stimmung in Teams und Firmen (Unternehmenskultur-Barometer)

Auf der einen Seite können wir dadurch individuelles Glück fördern und den Bezug zu Inspiration und Projekten auf unser zentor Purpose Plattform herstellen — und damit unserer Mission als (digitaler) Mentor für ein erfülltes Leben gerecht werden.

Auf der anderen Seite bieten wir Unternehmen hiermit ein sehr aussagekräftiges Tool um Firmenkultur zu erfassen und Trends zu beobachten — und ein Frühwarnsystem um einer sinkenden Mitarbeiterstimmung entgegenzusteuern.

Darüber hinaus liefern wir die empirische Grundlage dafür, dass unser innovativer Ansatz aus Firmentraining gekoppelt mit digitaler Projektplattform funktioniert und wir z.B. durch unser Purpose Bootcamp nachhaltig Motivation & Firmenkultur positiv beeinflussen können.


Wenn Sie Interesse an einem Training haben oder gern mehr erfahren würden, melden Sie sich bitte gern mit einer Anfrage bei uns, z.B. hier: www.zentor.de/b2b

Ausgewählte Literatur:

  • Berkman, P. L. (1971). Measurement of Mental Health in a General Population Survey. American Journal of Epidemiology94(2), 105–111. http://doi.org/10.1093/oxfordjournals.aje.a121301Breyer, B., & Bluemke, M. (2016). Deutsche Version der Positive and Negative Affect Schedule PANAS (GESIS Panel). Zusammenstellung Sozialwissenschaftlicher Items Und Skalen, (March). http://doi.org/10.6102/zis242
  • Burkimsher, M., Ess, I., Session, C., Change, S., & Ii, S. W. B. (2016). Cross‐country variations in happiness: trends, age differentials and anomalies. In 3rd International ESS Conference. Retrieved from https://www.europeansocialsurvey.org/docs/about/conference/BURKIMSHER_Cross-country-variations-in-happiness.pdf
  • Centre for Bhutan Studies & GNH Research. (2016). A Compass Towards a Just and Harmonious Society: 2015 GNH Survey Report. Retrieved from http://www.grossnationalhappiness.com/wp-content/uploads/2017/01/Final-GNH-Report-jp-21.3.17-ilovepdf-compressed.pdf
  • ESS. (2017). ESS Source Questionnaire Round 8 2016/2017(Vol. 01).
  • Kern, M. L., Waters, L. E., Adler, A., & White, M. A. (2015). A multidimensional approach to measuring well-being in students: Application of the PERMA framework. Journal of Positive Psychology10(3), 262–271. http://doi.org/10.1080/17439760.2014.936962
  • Lyubomirsky, S., King, L., & Diener, E. (2005). The benefits of frequent positive affect: Does happiness lead to success? Psychological Bulletin131(6), 803–855. http://doi.org/10.1037/0033-2909.131.6.803
  • United Nations. UN Resolution 65/309: Happiness: towards a holistic approach to development (2011). Retrieved from http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/65/309
  • University of Pennsylvania. Authentic Happiness Project. Martin Seligman. https://www.authentichappiness.sas.upenn.edu/testcenter
  • Watson, D., Clark, L. A., & Tellegen, A. (1988). Development and validation of brief measures of positive and negative affect: The PANAS scales. Journal of Personality and Social Psychology. US: American Psychological Association. http://doi.org/10.1037/0022-3514.54.6.1063
  • Wright, T. A., & Cropanzano, R. (2000). Psychological well-being and job satisfaction as predictors of job performance. Journal of Occupational Health Psychology5(1), 84–94. http://doi.org/10.1037/1076-8998.5.1.84
Die Antwort auf die Frage aller Fragen?

5 Schritte für die Sache mit dem Glück

Stairway to heaven? vielleicht nicht ganz. Aber man kann ja mal schrittweise darüber nachdenken, was noch besser laufen könnte und wie das mit Glück oder “Erfüllung” im Leben zusammenhängt. Für Menschen die offen sind für Neues, auf der Suche nach dem nächsten “Ding” oder auch nur neugierig, was es sonst noch alles da draußen gibt.

A bissl wos geht oiwei

Irgendwie ist es doch verhext: Egal wie gut es mir geht, irgendwie bin ich immer überzeugt davon, dass es doch noch besser gehen könnte. Ich hoffe es geht Ihnen nicht so.
Leider ist unser Gehirn evolutionär darauf getrimmt, dass wir uns vergleichen — und zwar meist mit denen, bei denen alles rosig aussieht (danke Werbung, danke Social Media!). Klar kennen wir Photoshop und Fake News, wissen, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen und dass das Gras auf der anderen Seite nur grüner erscheint. Aber das schützt uns nicht davor, dass wir uns gelegentlich über das Missgeschick in der scheinbar perfekten Welt Anderer freuen — und uns anschließend über unsere Schadenfreude schämen... ein bisschen zumindest.

Photo von Forest Simon auf Unsplash

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich hatte das Glück in einem ‘privilegierten Umfeld’ aufzuwachsen (sprich Mittelstand in Süddeutschland), habe eine wunderbare Familie, bin gesund, realisiere mir gerade einen beruflichen Traum und genieße das Leben — oder wie wir in Bayern sagen: Mia geht’s sauguad! Aber irgendwo gibt es trotzdem eine kleine nervige Stimme, die mir einreden will, dass es vielleicht noch besser ginge.

Gute Besserung

Und wenn ich mich in meinem Umfeld umhöre, scheinen viele diese kleine Stimme zu kennen — insbesondere in “Übergangsphasen”, die entweder von außen (neuer Job, Ort, Partner, Kinder, Ruhestand, etc.) oder durch uns selbst ausgelöst werden.
Erstaunlicherweise gibt es eine Reihe von richtig guten Ansätzen, die den Meisten von uns ein noch erfüllenderes Leben ermöglichen könnten — wenn Sie denn erklärt oder praktiziert würden, was leider selten passiert. Der Schlüssel dazu sind wissenschaftliche Erkenntnisse aus der positiven Psychologie und Nachbardisziplinen rund um das Thema Glück und erfüllendes Leben. Nachdem ich in einem anderen Artikel schon über das theoretische Fundament der Ansätze geschrieben habe, geht es in diesem Artikel um die Praxis.


Praktisch gesehen

Wie für die Theorie (siehe den erwähnten Artikel) gibt es auch für die Praxis viele verschiedene Modelle, die darauf abzielen zu einem erfüllenderen Leben zu führen oder Lebensqualität zu erhöhen. Einige befassen sich mit der Identität einer Person (angelehnt an Persönlichkeitskonstrukte wie die Big 5), andere mit den Stärken (z.B. signature strengthsstrengths finder) und wieder andere mit Prozessschritten (z.B. Designing your Life). Ohne diese Ansätze werten zu wollen, fehlt mir in jedem mindestens ein wesentlicher Aspekt, daher versuche ich mich hier an einem kombinierten Ansatz für die Praxis. Dieser basiert auf fünf Schritten und muss natürlich eine griffige Abkürzung haben, sonst zählt er ja nicht als echter Ansatz:

zentors REFINE Ansatz
  • Rekapitulieren: Innehalten und darüber nachdenken, was uns glücklich macht, was unsere Stärken & Werte sind, woraus wir Motivation beziehen.
  • Explorieren: Erkunden, wie Andere ihr Glück oder ihre Lebensfreude gefunden haben und was die Forschung zu dem Thema zu sagen hat.
  • Finden & Testen: Ideen entwickeln und ausprobieren — für tieferen Sinn, die eigene Motivation und die Rückbestätigung von Anderen.
  • Integrieren: Die vielversprechendste Idee in unseren Alltag integrieren.
  • Engagieren: Andere inspirieren und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten.

Je nach Lebenssituation und Gemütslage sind einzelne Schritte mehr oder weniger relevant — für die “großen” Fragen im Leben, macht es allerdings Sinn im Modell vorne anzufangen.


Wo anfangen?

Zu jedem dieser Schritte lassen sich Bücher füllen — etwas pragmatischer führen wir durch Theorie & Praxis bei unserer Purpose Plattform zentor. Hier finden Sie Inspiration, Gelegenheit Neues auszuprobieren und auf die jeweilige Persönlichkeit abgestimmte Empfehlungen.
Wie wäre es denn z.B. mit einem 400qm Hobbyraum und kompletter Ausrüstung zum Schreinern, Basteln, Schweißen für alle handwerklich Interessierte? Münchner Start-up Mentoring für die, die ihre Erfahrung gern teilen? Innovations-Ideen für Tüftler, die gern die Zukunft mitgestalten? Ein einfacher Einstieg ins Ehrenamt für Menschen, die sich gern für Andere engagieren?

In guter Gesellschaft

Wir verstehen zentor als eine Art Mentor für Menschen mit Anspruch, die offen sind für Neues, auf der Suche nach Ihrem nächsten “Ding” oder auch nur neugierig, was das Leben noch zu bieten hat. Unser Anspruch ist es, nicht nur jedem einzelnen Inspiration zu mehr Lebensfreude und Glück zu liefern, sondern auch einen Teil zu einer positiveren Gesellschaft beitragen. Denn je besser wir uns fühlen, umso offener und optimistischer sehen wir unser Umfeld — und das ist ansteckend. Und umso zufriedener wir in unserem Umfeld sind, umso weniger suchen wir den negativen Vergleich mit anderen.

Ihr Interesse geweckt? Ich freue mich über Ihre Kommentare und Anmerkungen oder Feedback.

Photo von Joshua Earle auf Unsplash

Glückliche Ansätze

Es gibt tausende Anleitungen für das Streben nach Glück. Viele sind miserabel, einige akzeptabel, manche inspirierend. Kann bitte mal jemand die verschiedenen Anleitungen zu einem Ansatz zusammenfassen der Sinn macht? Ohne Räucherstäbchen-Esoterik und Batik-T-Shirt-Flair? 
Ja. Bitteschön.

Warum gibt es überhaupt Anleitungen zum Glücklichsein? Es sollte uns eigentlich richtig gut gehen. Der Wohlstand ist gestiegen. Wesentliche Nahrungsmittel sind ausreichend vorhanden. Die medizinische Versorgung hat sich massiv verbessert. Die Lebenserwartung steigt. Warum steigt also die Anzahl der Diagnosen zu psychischen Erkrankungen proportional zu den Regalmetern für Selbsthilfebücher? Warum werden wir immer unglücklicher je besser es uns eigentlich geht?

Viele Gründe. Unter anderem sind nicht nur unsere Ansprüche gestiegen, auch ist der schnelle Glückskick (Amazon, Instagram, Netflix…) zu einfach geworden, ist abgestumpft und hat uns abhängig gemacht — irgendwie fühlte er sich sowieso schon immer hohl an. Psychologen nennen das Habituation. Egal, kurz shoppen gehen wird es schon richten  … kurzfristig zumindest.
Wir wollen Bequemlichkeit und keine Ratschläge der alten Philosophen, dass sich ein erfüllendes Glücksgefühl nur durch Anstrengung einstellt. Wir wollen Flow auf Amazon bestellen, und nicht dafür Aufgaben im schmalen Grad zwischen Langeweile und Angst for Überforderungen lösen müssen. Wir suchen den kürzesten Weg zum Glück. Und dafür brauchen wir Anleitungen. Und Yoga. Und Meditation. Aber bitte schnell und einfach.

Wir sind also auf der Suche. Auf der Suche nach Glück, nach Erfüllung, nach Sinn. Und einer Abkürzung wie wir dahin kommen. Doch welche nehmen? Wenn man einmal von dem Meer an selbsternannten Lebenshilfe-Coaches absieht und sich auf halbwegs wissenschaftlich fundierte Ansätze konzentriert, bleiben zum Glück nur wenige wirklich relevante Ansätze übrig — und die haben viele Gemeinsamkeiten. Viele davon sind schon seit Jahrtausenden durch fernöstliche Religionen, Traditionen von Naturvölkern und Philosophen der Antike bekannt. Leider gibt es auch keine echten Abkürzungen — dafür aber einige spannende Ansätze, die die Suche nach Glück etwas einfacher machen.


Sie wollen gleich die kurze Antwort und nicht erst die Beschreibung der verschiedenen Ansätze? Einverstanden, die einzelnen Ansätze sind weiter unten beschrieben, hier die Zusammenfassung: Mich inspirieren vor Allem die populärwissenschaftlichen 3Ps (People, Purpose, Passion), das PERMA Modell von Seligman und Ideen aus dem Design Thinking Ansatz. Aber erst durch eine Kombination einiger Modelle lassen sich wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse auch gut in der Praxis anwenden. 
Wie könnte nun so ein kombiniertes Modell aussehen? Zum Beispiel so:

zentor Modell für ein erfüllendes Leben

Leben verstehe ich dann als „erfüllt“, wenn es regelmäßig von individuellen Momenten der Freude und des Flows geprägt ist. Die drei wesentlichen Quellen für diese Momente sind Sinn, Engagement, und Wertschätzung. 
Tieferen Sinn finden wirdurch Betätigung mit Dingen die größer als wir sind und zu unseren Werten passen (rationale Ebene).
Als soziale Wesen suchen wir Wertschätzung undRückbestätigung wichtiger Mitmenschen und geben diese gern zurück (soziale & individuelle Ebene). 
Engagement oder Begeisterung spüren wir für Aktivitäten die uns gefallen und die wir gut können (emotionale Ebene). Leidenschaft bzw. Engagement liefert uns auch die lebensnotwendige Energie für Alles andere. 
Die Voraussetzungen, dass wir regelmäßig auf diese drei Quellen zugreifen können, sind einerseits persönliche Faktoren wie ein gutes Verständnis unserer Identität, Wille, relevante Fähigkeiten und gute physische Gesundheit, sowie andererseits eine gut funktionierende Gesellschaft im Einklang mit unserer Umwelt — die zwei Stützen im Modell.

Erfüllung oder Glück ist natürlich nach diesem Verständnis kein Zustand sondern ein fortlaufender Prozess. Auch lässt sich Glück nicht auf einem Silbertablett “liefern” sondern erfordert ein pro-aktives Gestalten des eigenen Lebens. Folglich sind die persönlichen Faktoren zentral um das Model in der Praxis auch anwenden zu können:

  • Ein gutes Verständnis der eigenen Identität, insbesondere der Werte und Stärken
  • Wille, Mut und Bereitschaft zur Veränderung
  • Fähigkeiten mit Veränderung umzugehen und Wege zu einem erfüllenden Leben zu finden
  • Gute physische Gesundheit durch ausreichend Schlaf, Bewegung und ausgewogene Ernährung.

All diese Faktoren unterstützen dabei die wesentliche Quellen für Momente der Freude und des Flow zu finden, und in ein erfüllendes Leben zu integrieren. Und jeder dieser Faktoren kann durch diverse Techniken trainiert und gestärkt werden.

Das kombinierte Modell nutzen wir übrigens bei zentor auch zur Entwicklung eines digitalen Mentors für ein erfüllendes Leben. Wenn Sie mehr über unsere “purpose platform” erfahren wollen oder das Modell einfach mal ausprobieren, melden Sie sich einfach bei unser Purpose Plattform an

Und für alle die nun eine Stufe tiefer einsteigen wollen: Hier eine sehr vereinfachte und kurze Darstellung verschiedener Ansätze zu Glück, die mich ansprechen.


Ansätze aus der Psychologie

Wenn man heute von Glücksforschung spricht kommt man an der Disziplin der Positive Psychology nicht vorbei. Martin Seligman leistet als Begründer heute noch Pionierarbeit um der Psychologie neben dem traditionellen Fokus auf Krankheitsbilder auch einen positiven Spin zu geben.

Illustration: https://www.authentichappiness.sas.upenn.edu/learn

Sein PERMA Model zu einem glücklichen Leben ist wissenschaftlich eines der besser fundierten und besteht sehr vereinfacht aus:

  • Positive Emotions (wohldosierte Glückskicks & Freuden)
  • Engagement (Stärken einsetzen)
  • Relationships (Wertschätzung von und für wichtige Mitmenschen)
  • Meaning (ein tieferer Sinn)
  • Accomplishment (Zielerreichung)
Vereinfachte Darstellung des Flow-Konzepts nach Csíkszentmihályi

Fast genauso wichtig in der Disziplin der Psychologie ist Mihály Csíkszentmihályi, der Flow erforscht und damit in etwa ein beglückend erlebtes Gefühl völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption) beschreibt. Flow liegt genau in dem Band zwischen Überforderung und Unterforderung einer Person für eine Tätigkeit. Für Flow sind also nicht nur die Aufgabe an sich relevant, sondern inbesondere die Schwierigkeit der Aufgabe und die Fähigkeiten der Person diese zu bewältigen.

Schon etwas betagter und trotzdem erwähnenswert bleibt die Bedürfnispyramide von Maslow, nach der auf Erfüllung der Grundbedürfnisse (Physiologische Bedürfnisse und Sicherheit), und psychologischer Bedürfnisse (soziale Bedürfnisse und Individualbedürfnisse) die Selbstverwirklichung folgt. Die Erfüllung dieser kommt dem Begriff des Glücks am nächsten und beschreibt den Wunsch, das eigene Potential voll auszuschöpfen — also das zu erreichen, was einem anlagebedingt möglich ist. In einem späteren Aufsatz ergänzte Maslow (neben zwei Zwischenstufen) noch die Spitze der Pyramide umTranszendenz, also die Suche nach Gott oder einer das Selbst überschreitenden Dimension.

Philosophische Ansätze

Viele antike Philosophen befassten sich mit dem Sinn des Lebens, und warum und wann ein Leben lebenswert (sprich erfüllend) sei. Zentral für diese Frage ist häufig die Suche nach allgemeingültigen Werten — die häufig an Moral, Ethik und gesellschaftliches Zusammenleben gekoppelt sind. 
Der Ansatz des griechischen Philosophen Aristoteles ist hier wohl am relevantesten. Nach diesem wird Eudaimonía (Glück) erreicht durch Streben nach dem obersten Gut — nach dem was nur Selbstzweck ist und keinen anderen Zweck verfolgt. Dieser Selbstzweck wird nicht eindeutig definiert, steht aber im Einklang mit ethisch-moralischen Zielen und der “spezifischen Funktion” (ergon) eines Menschen, die sich aus seinen speziellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und seiner Vernunft ergibt. Diese Funktion zu erfüllen und seine Fähigkeiten zu entwickeln ist “gut” und führt zu Glück.

Eher praxisorientierte Ansätze

Aus dem populärwissenschaftlichen Raum ist insbesondere das Konzept der 3Ps von Bedeutung. Als die drei wesentlichen Quellen für ein erfüllendes Leben gelten dabei:

  • Purpose (tieferer Sinn)
  • People (Wertschätzung von und für Mitmenschen)
  • Passion (Begeisterung für bestimmte Themen)

Der 3P Ansatz hat sich inzwischen sowohl in ökonomischen Kontexten (z.B. als Führungsmodell oder in Marketing) als auch in der Lebensplanung mehrfach bewährt.

Ein spannender Ansatz für den Prozess, wie man ein erfüllendes Leben findet, ist Design Thinking. Die Leiter des Product Design Programms der Uni Stanford Bill Burnett und Dave Evans beschlossen ihren Studenten bei der Berufswahl zu helfen, und dazu Ideen der positive psychology mit Techniken aus Design Schulen zu verbinden. Anstatt ein fernes Ziel zu verfolgen, gilt es in Designing Your Life ein paar Grundwerte festzulegen und auf Basis von Aktivitäten die Freude bereiten und Kreativtechniken neue Optionen für Job & Leben zu finden — und diese durch schnelles Prototyping einfach auszuprobieren.

Prinzipien aus Fernost

Ohne Anspruch auf jegliche Vollständigkeit und leider nur mit einem rudimentären Verständnis meinerseits hier noch eine Auswahl von Ansätzen aus östlichen Kulturräumen. Aus Japan kommt das Konzept des Ikigai (das, wofür es sich lohnt zu leben), das aus einer Verknüpfung von vier Bereichen entsteht: Was man gut kann, was man gern tut, was die Welt braucht und wofür man entlohnt werden kann.

Illustration von https://www.improvisedlife.com/2018/02/26/ikigai/

In einer Längsschnittstudie (Ohsaki Study) wurde übrigens auch eine längere Lebenserwartung für Menschen festgestellt, die ihr Ikigai gefunden haben.

Zen ist eine im 5. Jahrhundert in China entstandene Form des Buddhismus, die bewusst auf große Weisheiten oder religiöse Doktrin verzichtet. Zen bedeutet, das Leben in seiner ganzen Fülle zu leben — ohne es mit der Vernunft begreifen zu wollen. Zen konzentriert sich auf das Erleben und Handeln im Hier & Jetzt und zielt darauf ab den (fortwährend aktiven und) selbstbezogenen Geist zur Ruhe zu bringen. Zen wird v.a. praktiziert durch Meditation und Konzentration auf die Gegenwart. Erfüllung wird gefunden durch die Wahrnehmung des Augenblicks und das Aufgeben des Selbst, um zur Erkenntnis zu gelangen eins mit Allem zu sein — nur ein Teil eines großen Ganzen.

Laut den Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius findet der Mensch Erfüllung durch lebenslanges Lernen. Sein Ideal für einen Menschen war das „Edle“ im Sinne eines moralisch Guten, ähnlich wie die griechischen Philosophen. Moralisch gut wird der Mensch indem er Harmonie mit dem Weltganzen findet, durch Gleichmut und Gleichgewicht — den Weg dorthin sah Konfuzius vor allem in der Bildung.


Zum Abschluss

Vielleicht liefert diese kleine Übersicht Glücklicher Ansätze Ihnen den ein oder anderen Denkanstoß. Und ich hoffe Sie sind nicht zu sehr enttäuscht, dass es keine wirklichen Abkürzungen zum Glück gibt, zumindest keine nachhaltigen. Vielleicht lässt sich die Suche zum Glück allerdings ein bißchen vereinfachen, insbesondere mit dem kombinierten Modell — was denken Sie?

Wenn Sie das Thema interessiert, Sie in die Diskussion einsteigen oder einfach nur mehr erfahren wollen, freue ich mir über Ihre Kommentare.

Wir entwickeln mit zentor das kombinierte Modell weiter — auf Basis psychologischer Erkenntnisse, wissenschaftlicher Forschung und technischer Lösungen — um möglichst vielen Menschen einen digitalen Mentor auf unserer Purpose Plattform auf dem Weg zu einem erfüllenden Leben zur Seite zu stellen.

Titelfoto: Lidya Nada on Unsplash