3. Munich Happiness Research Meetup

Es ist nach langer Wartepause endlich wieder so weit: Unser 3. Happiness Research Meetup mit dem Thema "Happiness vs. Burn-out", findet statt!

Wann: Mittwoch, 04.12. um 18:00 Uhr
Wo: Bei LV 1871 in der Maximiliansplatz 5, 80333 München (Stachus)

https://www.meetup.com/Munich-Happiness-Research/events/266315606/

Wir alle suchen unser Lebensglück, aber der Weg dorthin ist oft mühsam und kostet Zeit. Wir versuchen täglich unser Bestes zu geben – für den Job, die Menschen, die uns wichtig sind, die Gesellschaft, in der wir leben und die Umwelt, die wir schützen wollen.

Wie können wir dann unser Glück finden ohne vorher „auszubrennen“? Wir gehen der Frage nach, wie diese beiden Pole zusammenhängen, und was wir selbst dazu beitragen können, gesund und glücklich zu bleiben. 

Erwarten Sie einen Abend mit inspirierenden Vorträgen, etwas Forschung, einem interaktiven Mini-Workshop und spannenden Diskussionen.

Wir freuen uns darauf, Sie dort persönlich zu treffen!


Vortrag: A scientific pursuit of happiness

zentor war Partner der Startup Safari 2019 in München und hat die opening keynote zur Safari Jobmesse im Werk 1 gehalten

Wissenschaftliche Ansätze für ein Streben nach Erfüllung/Glück sind unser Herzensthema — und Grundlage der zentor Plattform. Daher macht uns so ein Vortrag natürlich auch Spaß. Vor Allem, wenn das Publikum mitspielt und sich von ein paar provokanten Fragen nicht aus der Ruhe bringen lässt...

Hier finden Sie ein Mitschnitt des Vortrags vom 25.10.2019 (auf Englisch):

https://youtu.be/CwD-AJvDC2I
zentor founder Dr. Valentin Schellhaas holding the opening keynote

Alles eine Frage der Einstellung

Leben Optimisten länger?

Eine neue PNAS Studie* hat herausgefunden, dass optimistische Menschen 11-15% längere Lebenserwartung aufwiesen als pessimistische. Als pessimistischer Realist sehe ich das natürlich erst einmal skeptisch... Aber nachdem Realisten in der Studie nicht explizit erhoben wurden, braucht es vielleicht auch kein Urteil darüber. Aber Pessimisten aufgepasst – wenn ihr so weiter macht, werden eure Befürchtungen vielleicht zur selbsterfüllenden Prophezeiung!

Photo by Edu Lauton on Unsplash

Jetzt aber erst einmal von Anfang an:
Es gibt viele Forschungsprojekte, die Langlebigkeit bei Menschen untersuchen, und einige davon laufen schon – Achtung Flachwitz – seit laaaanger Zeit. Ein Problem bei Langzeitstudien ist immer, dass es schwer ist „Laborkonditionen“ oder echte Experimente (im wissenschaftlichen Sinne) durchzuführen – denn wer lässt sich schon gern ein Leben lang als Versuchskaninchen einsperren oder seine gesamte Umwelt, Verhalten, etc. von irgendeinem verrückten Professor kontrollieren.

Nachdem man also die Einflussfaktoren auf Langlebigkeit nicht steuern kann, versucht man diese wenigstens so gut wie möglich zu erfassen und dann durch statistische Modelle die Bedeutung einzelnen Faktoren mathematisch zu erschließen. Meist werden biologische Faktoren, Gesundheit, Umweltvariablen oder das Verhalten von Studienteilnehmern untersucht. Zwei bekannte Studien in diesem Bereich sind einmal die Adult Development Study* mit Teilnehmern der Harvard University und aus Boston und die Blue Zones Forschung, die fünf Regionen in der Welt untersucht, in denen besonders viele Menschen leben, die über 100 Jahre alt sind.

Eine Erkenntnis der Adult Development Study, die einen Fokus auf zwischenmenschliche Faktoren legt ist, dass gute soziale Bindungen zu besserer Gesundheit und höherer Lebenszufrieden im Alter führen** – dass wir als soziale Wesen also Verbundenheit und Wertschätzung suchen (Wertschätzung ist einer der drei Faktoren in unserem zentor Modell). Die Blue Zones Forschung untersucht u.a. Gemeinsamkeiten in den fünf Regionen für Langlebigkeit, und hat neun Faktoren ausgemacht, die mit höherem Lebensalter korrelieren***. An den ersten beiden Stellen stehen natürliche Bewegung und tieferer Sinn (Sinn ist ein zweiter Faktor in unserem zentor Modell, neben Engagement), soziale Beziehungen sind auch dabei. Eine neuere (noch nicht peer reviewed) Studie**** stellt übrigens einige der Auswahlkriterien für die 5 Blue Zone Regionen in Frage, das sei hier aber nur am Rande erwähnt. So oder so ein spannendes Forschungsfeld.

Die aktuelle PNAS Studie stellt nun den Zusammenhang zwischen Optimismus und Langlebigkeit her. Zwei Kohorten (einmal Frauen einmal Männer) wurden über einen Zeitraum von 10 bzw. 30 Jahren untersucht, in dem Antworten auf Fragebögen, die Optimismus als Persönlichkeitseigenschaft oder Lebenseinstellung erfasst in Bezug zu (späterer) Lebenserwartung gesetzt wurden. Und in der Tat, die Gruppe der „Optimisten“ (oberes Viertel bzw. Fünftel auf den jeweiligen Skalen) hatte eine bis zu 14.9% höhere Lebenserwartung als die Pessimisten – der Einfluss war fast so groß wie niemals eine Diabetes Diagnose erhalten zu haben. Böse überspitzt: „Zucker oder Optimist?“. Und auch nachdem die Ergebnisse mathematisch um Verhaltensdaten und Gesundheitsfaktoren kontrolliert wurden, blieben signifikante Unterschiede bestehen. In der Diskussion verweisen die Autoren dann wie viele andere in dem Forschungsbereich auch auf die Bedeutung psychosozialer Gesundheit für langes, erfüllendes Leben.

Was lernen wir daraus – müssen wir ab sofort alles optimistisch sehen um länger gesund zu bleiben? Wohl kaum. Was aber wohl wichtig zu sein scheint, ist, dass optimistische Menschen sich oft Ziele setzen, und die Zuversicht haben, diese zu erreichen. Denn bei Rückschlägen stehen Optimisten wieder auf. 

Man kann Optimismus anscheinend auch lernen. „Wozu soll das gut sein?“  fragt sich allerdings der Pessimist. Der Realist antwortet: Es geht nicht um Pessimismus oder Optimismus, es geht um Selbstwirksamkeit. Es geht darum, sich ein Ziel zusetzen und daran zu glauben, dass man es auch umsetzen kann. Ein Ziel das Sinn stiftet, das Wertschätzung ermöglicht und Energie für Engagement liefert (siehe unser zentor Modell). 

Solange ich überzeugt bin, dass ich etwas bewegen kann, werde ich wieder aufstehen. Das ist kein Optimismus, das ist Selbstwirksamkeit. Und die kann man lernen. Alles eine Frage der Einstellung.

Ausgewählte Literatur:
* Lee, L. O. et al. (2019). Optimism is associated with exceptional longevity in 2 epidemiologic cohorts of men and women. Proceedings of the National Academy of Sciences, 201900712. 
** Waldinger, R. J., Cohen, S., Schulz, M. S., & Crowell, J. A. (2014). Security of Attachment to Spouses in Late Life. Clinical Psychological Science(Vol. 3)
*** Buettner, D. & Skemp, S. (2016). Blue Zones: Lessons From the World’s Longest Lived. American Journal of Lifestyle Medicine, 10(5), 318–321.
**** Newman, S. J. (2019). Supercentenarians and the oldest-old are concentrated into regions with no birth certificates and short lifespans. BioRxiv, 704080. 


Wie passt Wissenschaft und Glück zusammen?

Die Grundlagen für unser zentor Modell für Das Streben nach Glück — von Aristoteles bis Seligman

Kann man sich einem eher unwissenschaftlichen Begriff wie Glück auch wissenschaftlich nähern? Wir glauben: Man kann!

Unser Ansatz bei zentor sucht Antworten abseits der Räucherstäbchen und Motivationsgurus: In einem Video liefert zentor Gründer Dr. Valentin Schellhaas einen Überblick von den alten Philosophen bis hin zu moderner Glücksforschung — als Grundlage für ein integriertes Modell für das Streben Glück.

https://www.youtube.com/watch?v=BDFbJsQwJN0

Ein wissenschaftlich fundiertes und praxis-relevantes Modell für das Streben nach Glück

Wie bringt man verschiedenste Ansätze zu Glück in einem Modell unter? Wir glauben: so. In diesem Video erläutern wir unser zentor Modell für das Streben nach Glück.

Wir tun uns schwer mit dem Begriff "Glück" im Deutschen.
Schließlich unterscheidet er nicht zwischen dem englischen Happiness (also Glück im Sinne von Freude, Erfüllung, etc.) und Luck (also Glück im Sinne von Zufall). Irgendwie fühlt es sich für viele von uns so an, dass man Glück nicht "verdienen" kann, gerade in einer auf Leistung getrimmten Gesellschaft. Daher verwechseln wir häufig ein Streben nach Glück — ein schwieriges und hart verdientes Unterfangen — mit einem zufälligen Lottogewinn oder einer "faulen" hedonistischen Lustmaximierung.

Aber letztlich suchen wir zumindest insgeheim doch fast alle genau danach: Nach Reduzierung negativer Gefühle, und nach Freude, Erfüllung bzw. Zufriedenheit im Leben. Leider gibt es keinen einfachen Weg und auch keine allgemeingültige Lösung für so ein Streben nach Glück — im Gegenteil, die Suche ist schwierig, erfordert viel Einsatz und sehr individuell. Aber man kann versuchen, sich dem Thema auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und praxis-relevanter Ansätze nähern.

Unser Herangehen dafür haben wir Ihnen in dem folgenden Video zusammengefasst:

https://www.youtube.com/watch?v=POADuxzpbmU

Hat Ihnen unser Video gefallen oder war vielleicht sogar eine Inspiration für Sie dabei? Wenn Sie das Thema interessiert, und Sie sich gern mit Glück oder Erfüllung beschäftigen, finden Sie auf www.zentor.de übrigens Inspiration und spannende Projekte rund um das Thema. Falls noch nicht geschehen, melden Sie sich also gern bei uns kostenlos an, um auf dem Laufenden zu Bleiben oder das Modell näher kennen zu lernen.

Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen einen digitalen Mentor für das Streben nach Glück auf unserer Purpose Plattform zur Seite zu stellen.


Über Sinn & Sein

Die Suche nach dem Sinn oder „Purpose“ im Leben scheint immer mehr von uns zu bewegen. Doch wonach suchen wir eigentlich genau?

Ein wachsendes Bedürfnis

Es mag ein Zeichen sein von Wohlstand, Social Media Memes oder der Generation Y — doch ich glaube, dass die Suche nach „Purpose“ mehr als das ist: ein allgemeiner Zeitgeist und wachsendes Bedürfnis in unserer Gesellschaft. 
Wir leben in einer Gesellschaft, die eigentlich alles hat und umso mehr vermisst. Wir leben in einer Zeit, die immer mehr Menschen immer mehr ermöglicht, die sich immer schwerer tun, etwas Neues zu starten. Unsere steigende Lebenserwartung erlaubt mehrere Lebensentwürfe, aber Lebensübergänge werden immer schwieriger.  Wir haben die Auswahl, und das überfordert uns.  Fügt man nun noch globale Verunsicherung hinzu, drängt sich die Frage nach dem Kern oder dem „Warum“ immer häufiger auf.

Die Suche

Wir sind auf der Suche. Auf der Suche nach Glück, nach Erfüllung, nach Sinn. Doch Glück ist flüchtig, Erfüllung entsteht aus dem Kontext, und Sinn ist individuell. Die Suche nach Sinn beschäftigt uns, aber die Beschäftigung mit der Suche macht wenig Sinn, wenn wir nicht wissen, wonach wir wirklich suchen. 
Das geht natürlich nicht erst uns so. Spätestens seit Aristoteles stellen sich Philosophen und Psychologen die Frage nach einem erfüllenden und glücklichen Leben. Doch scheint die Frage in den letzten Jahrzehnten auch immer mehr Wissenschaftler anderer Zweige zu beschäftigen, sei es in der Neurologie, Ökonomie oder Kulturwissenschaften.

Wir beschäftigen uns mit Sinn oder „Purpose“, weil er eine wesentliche Grundlage für ein erfülltes Leben ist. Bei zentor verstehen wir Sinn sogar als den wichtigsten Baustein für das Streben nach Glück — neben den anderen Quellen Engagement und Wertschätzung von Mitmenschen.

Ein Verständnis

Der Duden listet zu Sinn ein „Gefühl, Verständnis für etwas; innere Beziehung zu etwas“ oder „Ziel und Zweck, Wert, der einer Sache innewohnt“. Ähnlich das Oxford Dictionary zu Purpose „The reason for which something is done or created or for which something exists“. Für die praktische Suche nach Sinn eine eher unbrauchbare Definition.

Aristoteles nahm an, dass eines Menschen „ergon“ (dessen spezifische Funktion oder essentielle Aufgabe) die vernunftgemäße Betätigung der Seele ist und dass das Vervollkommnen dieser letztlich zu Glück führt. Sehr salopp gesagt bedeutet das also, die eigenen Stärken sinnvoll einzusetzen. Das passt spannenderweise zu aktuellen Ansätzen der positiven Psychologie, in der ein Martin Seligman in etwa sagt, dass man Erfüllung findet, indem man seine Signatur-Stärken für ein Ziel einsetzt, das größer ist als man selbst — was wiederum Maslows höchster Stufe der Bedürfnispyramide ähnelt, der Transzendenz.

Aus diesen Überlegungen ergibt sich auch unsere Arbeitsdefinition für Sinn oder Purpose:

Sinn entsteht, wenn mein bestes Ich sich für ein größeres Ganzes einsetzt. 

zentor Arbeitsdefinition von Sinn

Mein bestes Ich beschreibt dabei meine Werte, Stärken und das, was meinen Charakter im besten Fall ausmacht; etwas größeres Ganzes beschreibt ein höheres Ziel, eine tiefere Bedeutung oder bezieht sich allgemein auf die Gesellschaft bzw. Menschheit als Ganzes. Diese Arbeitsdefinition bildet auch die Grundlage für praxisbezogenen Ansätze, mit denen wir versuchen, unseren Kunden auf zentor zu inspirieren: Durch spezielle Techniken das eigene Ich besser zu verstehen und den Beitrag für ein größeres Ganzes zu identifizieren.

Das Sein

Die Identifikation mit einer Sache, die größer ist als wir selbst, gibt unserer Existenz eine Berechtigung und eine Bedeutung in einem großen Ganzen. Psychoanalytiker würden hier vermutlich auch mit der Angst vor der eigenen Vergänglichkeit argumentieren. Purpose bzw. Sinn spielt auf der Ebene des Verstandes, im Vergleich dazu spielt Engagement auf der Ebene der Motivation und die Wertschätzung von Mitmenschen auf einer emotionalen Ebene unserer Bedürfnisse. Alle drei zusammen sind die wesentlichen Quellen für das Streben nach Glück.

Auch wenn der Sinn auf den Verstand abzielt und wir hiermit eine hoffentlich brauchbare Arbeitsdefinition liefern, scheint sich Sinn paradoxerweise häufig einem logisch-analytischen Ansatz zu entziehen. Je mehr wir uns anstrengen, Sinn direkt zu sehen, umso schwerer lässt er sich greifen. Wir brauchen Tricks & Kniffe, die uns über Umwege zu unserem Ich führen und manchmal einen tieferen Sinn erkennen lassen. Vielleicht erklärt das auch Aristoteles Zitat “Vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte” oder warum neuere Studien mit Pilzen (psilocybin) Menschen helfen können, eigene Bedeutung* zu finden.

*z.B. Griffiths, R. R., Richards, W. A., McCann, U., & Jesse, R. (2006). Psilocybin can occasion mystical-type experiences having substantial and sustained personal meaning and spiritual significance. Psychopharmacology, 187(3), 268–283.

Photo credit: Mikito Tateisi on Unsplash

Munich Happiness Research Meetup

https://www.meetup.com/Munich-Happiness-Research/events/258384320/
Unser nächstes Meetup Event

Kann man Erfüllung messen?

Wie fühlen Sie sich heute: 50 Einheiten glücklich? Ein Pfund erfüllt? Drei Stück zufrieden?

Was auf Anhieb erst einmal vollkommen absurd klingt, ist gar nicht so weit entfernt von dem Versuch, den Psychologen und vermehrt auch andere Disziplinen seit Langem unternehmen: Wege zu finden um Abstrakte menschliche Konzepte und Gefühle in Zahlen zu fassen.
Die meisten Messmethoden beschäftigen sich mit psychischen Erkrankungen und Defiziten menschlichen Erlebens oder Verhaltens. Doch es gibt auch einige Modelle, die sich direkt oder indirekt mit Glück bzw. Erfüllung befassen — manche mehr, manche weniger praxisrelevant für die aktuelle Stimmung einer Person oder eines Teams.

Wozu Erfüllung messen?

Wenn alle Menschen glücklich und zufrieden wären, würde sie vermutlich auch eine Zahl die das ausdrückt (vielleicht 42?) glücklich machen. Und wenn es Gruppen von Menschen, Firmen oder Gesellschaften gibt, in denen Erfüllung draußen am Eingang abgegeben wird, wäre es doch schön, wenn wir diese gelegentlich hineinbitten können. Dazu muss man jedoch die Ursachen für Erfüllung verstehen und Veränderungen über die Zeit erkennen können.
Ein guter Fragebogen hierzu erfasst also einerseits möglichst treffend die Gefühlslage, die wir etwas vage als Erfüllung oder Glück beschreiben. Andererseits misst er auch so präzise und verlässlich, dass Vergleiche über die Zeit oder zwischen Gruppen von Menschen möglich sind. Das erste Kriterium nennen die Psychologen Validität, das zweite Reliabilität — und beide sind Gegenstand vieler dröger Bücher und nicht-enden-wollender, unfassbar trockener Vorlesungen im Studium. Diese Gütekriterien sind allerdings wesentliche Grundlage empirischer Arbeit.


Wissenschaftliche Methoden zur Messung zu Glück, Stimmung, Affekten und Lebenszufriedenheit

Ein erstaunlich großer Anteil der Messinstrumente zu Glück sind Fragebogen mit genau einer Frage, nämlich wie glücklich man sich fühlt. Im Falle des umfangreichen European Social Survey (ESS) lautet die Frage alle zwei Jahre seit 2002 ganz konkret: "Alles in allem betrachtet, was würden Sie sagen, wie glücklich sind Sie?". Die Einfachheit ist überzeugend und die Ergebnisse vermutlich verlässlich, für eine tiefergehende Betrachtung der Ursachen von Glück reicht eine einzelne Frage allerdings nicht.

In der Affektforschung weit verbreitet ist der PANAS (Positive and Negative Affect Schedule), ein Fragebogen mit je zehn Items zu positiver und negativer Stimmung der fragt "Bitte geben Sie an, in welchem Ausmaß Sie sich in letzter Woche wie folgt gefühlt haben:" und dann auf einer 5-Skala Begriffe werten lässt wie: aktiv, bekümmert, interessiert, verärgert, etc. Die Annahme für die Glücksforschung ist hier, dass Menschen eher glücklich sind, wenn positive Itemscores die negativen überwiegen. Das ist sicher nicht verkehrt, erfasst meiner Meinung nach aber nicht das, was wir unter Glück verstehen. 

Über die Zeit entwickelten sich auch einige allgemeine Instrumente zur Messung psychischer Gesundheit, wie z.B. der Index of Psychological Well-Being, ein Konzept von Bergman von 1971, um psychische Gesundheit in der allgemeinen Bevölkerung zu messen. Die acht Items des Fragebogens erfassen, wie oft Teilnehmer positive Gefühle oder negative Gefühle verspürt haben. Weiterhin gibt es Fragebögen rund um das Thema Lebenszufriedenheit, mit Anwendung nicht nur in klinischer Psychologie, sondern auch in der Ökonomie oder Soziologie. Beispiele wären das Quality of Life Inventory oder das Life Satisfaction Inventory.
Beide Forschungsrichtungen sind für die jeweiligen Bereiche psychische Gesundheit und Lebenszufriedenheit sehr sinnvoll, konzentrieren sich aber eher auf klinische Symptome als auf Ursachen, und sind damit nur bedingt einsetzbar für die Messung von Erfüllung.

In der positiven Psychologie gibt es Messinstrumente, die durch solide Grundlagenforschung die Ursachenvon Glück oder Erfüllung umfassender beschreiben und wesentliche Glücksdimensionen berücksichtigen. Besonders hervorheben ist das von Martin Seligman entwickelte PERMA Model zu "Flourishing" (in etwa "aufblühen, gedeihen"). Die Grundfaktoren in dem Modell sind Positive Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinn und Erfolge, die in einem Fragebogen mit 23 (Kurzfassung: fünf) Items verankert wurden. Daneben gibt es viel empirische Forschung und weitere Messinstrumente die an Seligmans Modell angelehnt sind — einige davon auch für die Allgemeinheit zugänglich über https://www.authentichappiness.sas.upenn.edu/testcenter. 

Einen spannenden Ansatz verfolgt das Land Bhutan, das aus gesellschaftlicher Überzeugung seit dem Jahr 2008 anstelle des Bruttosozialprodukts (GDP) nun Bruttonationalglück (Gross National Happiness GNH) misst — sehr umfangreich über neun verschiedene Lebensbereiche. Dieser Vorstoß hat die UN übrigens 2011 zu der Resolution bewogen, andere Nationen zu ermuntern, dem Beispiel Bhutans zu folgen; sprich Glücksmessung und -förderung als gesellschaftspolitische Ziele zu verfolgen.

zentor Purpose Score

Erfüllungsmessung für die Praxis: 
Der zentor Purpose Score

In Anlehnung an den Überblick theoretischer Ansätze zu Glück und der Entwicklung eines integrierten Ansatzes, haben wir bei zentor ebenso einen Messinstrument entwickelt, dass die besten Methoden kombiniert und den Spagat zwischen solidem wissenschaftlichen Fundament und pragmatischen Praxisbezug schafft — unser zentor® Purpose Score.
Mit acht kurzen Fragen schaffen wir es, das Thema aktuelle Stimmung/Energie sowie die wesentlichen Ursachen für Erfüllung (Sinn, Engagement, Wertschätzung) abzubilden. Durch Kooperationen mit Universitäten arbeiten wir kontinuierlich daran, wissenschaftlichen Gütekriterien zu genügen und die Methode zu verfeinern.

Probieren Sie den Purpose Score gern selbst aus: Durch ihre Teilnahme helfen Sie uns auch, diesen weiter zu entwickeln: https://app.zentor.de/survey

Der zentor Purpose Score ermöglicht uns die Bestimmung und das Beobachten von Trends

  • Individueller Erfüllungsowie der
  • Stimmung in Teams und Firmen (Unternehmenskultur-Barometer)

Auf der einen Seite können wir dadurch individuelles Glück fördern und den Bezug zu Inspiration und Projekten auf unser zentor Purpose Plattform herstellen — und damit unserer Mission als (digitaler) Mentor für ein erfülltes Leben gerecht werden.

Auf der anderen Seite bieten wir Unternehmen hiermit ein sehr aussagekräftiges Tool um Firmenkultur zu erfassen und Trends zu beobachten — und ein Frühwarnsystem um einer sinkenden Mitarbeiterstimmung entgegenzusteuern.

Darüber hinaus liefern wir die empirische Grundlage dafür, dass unser innovativer Ansatz aus Firmentraining gekoppelt mit digitaler Projektplattform funktioniert und wir z.B. durch unser Purpose Bootcamp nachhaltig Motivation & Firmenkultur positiv beeinflussen können.


Wenn Sie Interesse an einem Training haben oder gern mehr erfahren würden, melden Sie sich bitte gern mit einer Anfrage bei uns, z.B. hier: www.zentor.de/b2b

Ausgewählte Literatur:

  • Berkman, P. L. (1971). Measurement of Mental Health in a General Population Survey. American Journal of Epidemiology94(2), 105–111. http://doi.org/10.1093/oxfordjournals.aje.a121301Breyer, B., & Bluemke, M. (2016). Deutsche Version der Positive and Negative Affect Schedule PANAS (GESIS Panel). Zusammenstellung Sozialwissenschaftlicher Items Und Skalen, (March). http://doi.org/10.6102/zis242
  • Burkimsher, M., Ess, I., Session, C., Change, S., & Ii, S. W. B. (2016). Cross‐country variations in happiness: trends, age differentials and anomalies. In 3rd International ESS Conference. Retrieved from https://www.europeansocialsurvey.org/docs/about/conference/BURKIMSHER_Cross-country-variations-in-happiness.pdf
  • Centre for Bhutan Studies & GNH Research. (2016). A Compass Towards a Just and Harmonious Society: 2015 GNH Survey Report. Retrieved from http://www.grossnationalhappiness.com/wp-content/uploads/2017/01/Final-GNH-Report-jp-21.3.17-ilovepdf-compressed.pdf
  • ESS. (2017). ESS Source Questionnaire Round 8 2016/2017(Vol. 01).
  • Kern, M. L., Waters, L. E., Adler, A., & White, M. A. (2015). A multidimensional approach to measuring well-being in students: Application of the PERMA framework. Journal of Positive Psychology10(3), 262–271. http://doi.org/10.1080/17439760.2014.936962
  • Lyubomirsky, S., King, L., & Diener, E. (2005). The benefits of frequent positive affect: Does happiness lead to success? Psychological Bulletin131(6), 803–855. http://doi.org/10.1037/0033-2909.131.6.803
  • United Nations. UN Resolution 65/309: Happiness: towards a holistic approach to development (2011). Retrieved from http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/65/309
  • University of Pennsylvania. Authentic Happiness Project. Martin Seligman. https://www.authentichappiness.sas.upenn.edu/testcenter
  • Watson, D., Clark, L. A., & Tellegen, A. (1988). Development and validation of brief measures of positive and negative affect: The PANAS scales. Journal of Personality and Social Psychology. US: American Psychological Association. http://doi.org/10.1037/0022-3514.54.6.1063
  • Wright, T. A., & Cropanzano, R. (2000). Psychological well-being and job satisfaction as predictors of job performance. Journal of Occupational Health Psychology5(1), 84–94. http://doi.org/10.1037/1076-8998.5.1.84

Schluss mit den Geschenken!

Socken, Krawatten, Bücher, Kultur, Technik oder Parfum. Es geht ja weniger um den Inhalt, als um die Symbolik, dass die Beschenkten den Schenkern etwas bedeuten. Und nachdem Wertschätzung eine wesentliche Quelle für Glücksempfinden ist, sollten Geschenke eigentlich glücklich machen. Doch Studien zeigen, dass das leider nicht so einfach funktioniert…

Nachdem es schon genug Studien zur Häufung psychischer Erkrankung und Suizidraten zu Weihnachten gibt, untersuchten zwei Autoren in den USA, was an Weihnachten glücklich macht.
Dass beschenkt werden glücklich machen sollte, wird uns ja von Kind auf sozusagen schon mit in die Wiege gelegt — auch wenn einige Untersuchungen inzwischen herausgefunden haben, das Schenken sogar glücklicher macht als beschenkt werden (z.B. Dunn, Aknin & Norton. 2008: Spending money on others promotes happiness. Science319(5870), 1687–1688). Da ging es aber nicht um Weihnachten… und da kommt ja Massen-Schenken und -Beschenkt werden auf einmal zusammen. Schön, dass das mal jemand untersucht hat (Kasser & Sheldon. 2002: What makes for a merry Christmas? Journal of Happiness Studies3, 313–329).

Leider stand der Weihnachtsmann für ein Interview nicht zur Verfügung, daher erfassten Kasser & Sheldon in ihrer Studie ein frohes Fest mithilfe einer “Christmas Well-Being” (CWB) Metrik durch eine Umfrage bei den Teilnehmern der Studie. Und ja, Stress war auch eine Dimension des CWB und hatte interessanterweise die größte Streuung bei den Befragten.
Meine Reaktion als ich das las: Das muss der Unterschied sein zwischen denen, die im November schon ungefragt verkünden, alle Geschenke beisammen zu haben und normalen Menschen…!

Die Studie jedenfalls erfasste ebenso, welche der folgenden sieben Erfahrungen und Aktivitäten im Vordergrund der Weihnachtszeit standen: Zeit mit Familie, Religion, Tradition & Rituale, Schenken, Beschenkt werden, wohltätige Hilfe und zuletzt Genießen (z.B. Essen & Trinken). Kasser & Sheldon untersuchten dann, inwiefern eine Korrelation zwischen einem frohen Fest (CWB) und der Häufigkeit der Aktivitäten bestand und fanden zwei erstaunliche Zusammenhänge:

  • Je mehr Fokus auf die Familie und je mehr Religion eine Rolle spielte, umso froher wurde das Weihnachtsfest bewertet.
  • Umgekehrt wurde das Weihnachtsfest umso weniger froh empfunden, je mehr sowohl Schenken als auch Beschenkt werden eine Rolle spielten.

Klar sind das nur Korrelationen und mit 117 Teilnehmern in den USA ist die Studie vielleicht auch nicht wirklich repräsentativ. Allerdings teile ich die Interpretation der Autoren: Familie und Spiritualität sind ganz wesentliche Bestandteile des christlichen Weihnachtsrituals und vermitteln Verbundenheit und vielleicht auch einen tieferen Sinn — zwei wesentliche Quellen für Glücksempfinden. Geschenke hingegen sind schwächere Symbole der Wertschätzung und häufig nur noch materialistische Artefakte, die weder Schenker noch Beschenkten zu Weihnachten glücklich machen. Warum tun wir uns also den Stress noch an? Es wäre doch viel einfacher man würde mit allen Beteiligten ein Nicht-Schenk-Abkommen (NSA — phantastisches Akronym…) eingehen!
Liebe Verwandtschaft, wenn ihr das hier also lest: Ich möchte bitte keine Geschenke von euch. Ihr bekommt auch nix. Lasst uns lieber entspannt Zeit miteinander verbringen. Is besser so. Kann ich auch wissenschaftlich belegen. Siehe oben ;-)

Und für alle die NICHT mehr auf der Suche nach Geschenken sind, sich aber für das Thema “Glück” auch jenseits von Weihnachten interessieren, ein Tipp in eigener Sache: einfach auf unserer Purpose Plattform anmelden.
zentor verknüpft Erkenntnisse aus der Glücksforschung, wissenschaftliche Ansätze und neue Technologien, um als digitaler Mentor das Streben nach Glück zu unterstützen. Unsere Plattform liefert Inspiration für spannende Themen und macht es einfach, sich zu engagieren oder ein eigenes Projekt zu starten.


Glückliche Ansätze

Es gibt tausende Anleitungen für das Streben nach Glück. Viele sind miserabel, einige akzeptabel, manche inspirierend. Kann bitte mal jemand die verschiedenen Anleitungen zu einem Ansatz zusammenfassen der Sinn macht? Ohne Räucherstäbchen-Esoterik und Batik-T-Shirt-Flair? 
Ja. Bitteschön.

Warum gibt es überhaupt Anleitungen zum Glücklichsein? Es sollte uns eigentlich richtig gut gehen. Der Wohlstand ist gestiegen. Wesentliche Nahrungsmittel sind ausreichend vorhanden. Die medizinische Versorgung hat sich massiv verbessert. Die Lebenserwartung steigt. Warum steigt also die Anzahl der Diagnosen zu psychischen Erkrankungen proportional zu den Regalmetern für Selbsthilfebücher? Warum werden wir immer unglücklicher je besser es uns eigentlich geht?

Viele Gründe. Unter anderem sind nicht nur unsere Ansprüche gestiegen, auch ist der schnelle Glückskick (Amazon, Instagram, Netflix…) zu einfach geworden, ist abgestumpft und hat uns abhängig gemacht — irgendwie fühlte er sich sowieso schon immer hohl an. Psychologen nennen das Habituation. Egal, kurz shoppen gehen wird es schon richten  … kurzfristig zumindest.
Wir wollen Bequemlichkeit und keine Ratschläge der alten Philosophen, dass sich ein erfüllendes Glücksgefühl nur durch Anstrengung einstellt. Wir wollen Flow auf Amazon bestellen, und nicht dafür Aufgaben im schmalen Grad zwischen Langeweile und Angst for Überforderungen lösen müssen. Wir suchen den kürzesten Weg zum Glück. Und dafür brauchen wir Anleitungen. Und Yoga. Und Meditation. Aber bitte schnell und einfach.

Wir sind also auf der Suche. Auf der Suche nach Glück, nach Erfüllung, nach Sinn. Und einer Abkürzung wie wir dahin kommen. Doch welche nehmen? Wenn man einmal von dem Meer an selbsternannten Lebenshilfe-Coaches absieht und sich auf halbwegs wissenschaftlich fundierte Ansätze konzentriert, bleiben zum Glück nur wenige wirklich relevante Ansätze übrig — und die haben viele Gemeinsamkeiten. Viele davon sind schon seit Jahrtausenden durch fernöstliche Religionen, Traditionen von Naturvölkern und Philosophen der Antike bekannt. Leider gibt es auch keine echten Abkürzungen — dafür aber einige spannende Ansätze, die die Suche nach Glück etwas einfacher machen.


Sie wollen gleich die kurze Antwort und nicht erst die Beschreibung der verschiedenen Ansätze? Einverstanden, die einzelnen Ansätze sind weiter unten beschrieben, hier die Zusammenfassung: Mich inspirieren vor Allem die populärwissenschaftlichen 3Ps (People, Purpose, Passion), das PERMA Modell von Seligman und Ideen aus dem Design Thinking Ansatz. Aber erst durch eine Kombination einiger Modelle lassen sich wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse auch gut in der Praxis anwenden. 
Wie könnte nun so ein kombiniertes Modell aussehen? Zum Beispiel so:

zentor Modell für ein erfülltes Leben

Leben verstehe ich dann als „erfüllt“, wenn es regelmäßig von individuellen Momenten der Freude und des Flows geprägt ist. Die drei wesentlichen Quellen für diese Momente sind Sinn, Engagement, und Wertschätzung. 
Tieferen Sinn finden wirdurch Betätigung mit Dingen die größer als wir sind und zu unseren Werten passen (rationale Ebene).
Als soziale Wesen suchen wir Wertschätzung undRückbestätigung wichtiger Mitmenschen und geben diese gern zurück (soziale & individuelle Ebene). 
Engagement oder Begeisterung spüren wir für Aktivitäten die uns gefallen und die wir gut können (emotionale Ebene). Leidenschaft bzw. Engagement liefert uns auch die lebensnotwendige Energie für Alles andere. 
Die Voraussetzungen, dass wir regelmäßig auf diese drei Quellen zugreifen können, sind einerseits persönliche Faktoren wie ein gutes Verständnis unserer Identität, Wille, relevante Fähigkeiten und gute physische Gesundheit, sowie andererseits eine gut funktionierende Gesellschaft im Einklang mit unserer Umwelt — die zwei Stützen im Modell.

Erfüllung oder Glück ist natürlich nach diesem Verständnis kein Zustand sondern ein fortlaufender Prozess. Auch lässt sich Glück nicht auf einem Silbertablett “liefern” sondern erfordert ein pro-aktives Gestalten des eigenen Lebens. Folglich sind die persönlichen Faktoren zentral um das Model in der Praxis auch anwenden zu können:

  • Ein gutes Verständnis der eigenen Identität, insbesondere der Werte und Stärken
  • Wille, Mut und Bereitschaft zur Veränderung
  • Fähigkeiten mit Veränderung umzugehen und Wege zu einem erfüllenden Leben zu finden
  • Gute physische Gesundheit durch ausreichend Schlaf, Bewegung und ausgewogene Ernährung.

All diese Faktoren unterstützen dabei die wesentliche Quellen für Momente der Freude und des Flow zu finden, und in ein erfüllendes Leben zu integrieren. Und jeder dieser Faktoren kann durch diverse Techniken trainiert und gestärkt werden.

Das kombinierte Modell nutzen wir übrigens bei zentor auch zur Entwicklung eines digitalen Mentors für ein erfüllendes Leben. Wenn Sie mehr über unsere “purpose platform” erfahren wollen oder das Modell einfach mal ausprobieren, melden Sie sich einfach bei unser Purpose Plattform an

Und für alle die nun eine Stufe tiefer einsteigen wollen: Hier eine sehr vereinfachte und kurze Darstellung verschiedener Ansätze zu Glück, die mich ansprechen.


Ansätze aus der Psychologie

Wenn man heute von Glücksforschung spricht kommt man an der Disziplin der Positive Psychology nicht vorbei. Martin Seligman leistet als Begründer heute noch Pionierarbeit um der Psychologie neben dem traditionellen Fokus auf Krankheitsbilder auch einen positiven Spin zu geben.

Sein PERMA Model zu einem glücklichen Leben ist wissenschaftlich eines der besser fundierten und besteht sehr vereinfacht aus:

  • Positive Emotions (wohldosierte Glückskicks & Freuden)
  • Engagement (Stärken einsetzen)
  • Relationships (Wertschätzung von und für wichtige Mitmenschen)
  • Meaning (ein tieferer Sinn)
  • Accomplishment (Zielerreichung)
Vereinfachte Darstellung des Flow-Konzepts nach Csíkszentmihályi

Fast genauso wichtig in der Disziplin der Psychologie ist Mihály Csíkszentmihályi, der Flow erforscht und damit in etwa ein beglückend erlebtes Gefühl völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption) beschreibt. Flow liegt genau in dem Band zwischen Überforderung und Unterforderung einer Person für eine Tätigkeit. Für Flow sind also nicht nur die Aufgabe an sich relevant, sondern inbesondere die Schwierigkeit der Aufgabe und die Fähigkeiten der Person diese zu bewältigen.

Schon etwas betagter und trotzdem erwähnenswert bleibt die Bedürfnispyramide von Maslow, nach der auf Erfüllung der Grundbedürfnisse (Physiologische Bedürfnisse und Sicherheit), und psychologischer Bedürfnisse (soziale Bedürfnisse und Individualbedürfnisse) die Selbstverwirklichung folgt. Die Erfüllung dieser kommt dem Begriff des Glücks am nächsten und beschreibt den Wunsch, das eigene Potential voll auszuschöpfen — also das zu erreichen, was einem anlagebedingt möglich ist. In einem späteren Aufsatz ergänzte Maslow (neben zwei Zwischenstufen) noch die Spitze der Pyramide umTranszendenz, also die Suche nach Gott oder einer das Selbst überschreitenden Dimension.

Philosophische Ansätze

Viele antike Philosophen befassten sich mit dem Sinn des Lebens, und warum und wann ein Leben lebenswert (sprich erfüllend) sei. Zentral für diese Frage ist häufig die Suche nach allgemeingültigen Werten — die häufig an Moral, Ethik und gesellschaftliches Zusammenleben gekoppelt sind. 
Der Ansatz des griechischen Philosophen Aristoteles ist hier wohl am relevantesten. Nach diesem wird Eudaimonía (Glück) erreicht durch Streben nach dem obersten Gut — nach dem was nur Selbstzweck ist und keinen anderen Zweck verfolgt. Dieser Selbstzweck wird nicht eindeutig definiert, steht aber im Einklang mit ethisch-moralischen Zielen und der “spezifischen Funktion” (ergon) eines Menschen, die sich aus seinen speziellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und seiner Vernunft ergibt. Diese Funktion zu erfüllen und seine Fähigkeiten zu entwickeln ist “gut” und führt zu Glück.

Eher praxisorientierte Ansätze

Aus dem populärwissenschaftlichen Raum ist insbesondere das Konzept der 3Ps von Bedeutung. Als die drei wesentlichen Quellen für ein erfüllendes Leben gelten dabei:

  • Purpose (tieferer Sinn)
  • People (Wertschätzung von und für Mitmenschen)
  • Passion (Begeisterung für bestimmte Themen)

Der 3P Ansatz hat sich inzwischen sowohl in ökonomischen Kontexten (z.B. als Führungsmodell oder in Marketing) als auch in der Lebensplanung mehrfach bewährt.

Ein spannender Ansatz für den Prozess, wie man ein erfüllendes Leben findet, ist Design Thinking. Die Leiter des Product Design Programms der Uni Stanford Bill Burnett und Dave Evans beschlossen ihren Studenten bei der Berufswahl zu helfen, und dazu Ideen der positive psychology mit Techniken aus Design Schulen zu verbinden. Anstatt ein fernes Ziel zu verfolgen, gilt es in Designing Your Life ein paar Grundwerte festzulegen und auf Basis von Aktivitäten die Freude bereiten und Kreativtechniken neue Optionen für Job & Leben zu finden — und diese durch schnelles Prototyping einfach auszuprobieren.

Prinzipien aus Fernost

Ohne Anspruch auf jegliche Vollständigkeit und leider nur mit einem rudimentären Verständnis meinerseits hier noch eine Auswahl von Ansätzen aus östlichen Kulturräumen. Aus Japan kommt das Konzept des Ikigai (das, wofür es sich lohnt zu leben), das aus einer Verknüpfung von vier Bereichen entsteht: Was man gut kann, was man gern tut, was die Welt braucht und wofür man entlohnt werden kann.

In einer Längsschnittstudie (Ohsaki Study) wurde übrigens auch eine längere Lebenserwartung für Menschen festgestellt, die ihr Ikigai gefunden haben.

Zen ist eine im 5. Jahrhundert in China entstandene Form des Buddhismus, die bewusst auf große Weisheiten oder religiöse Doktrin verzichtet. Zen bedeutet, das Leben in seiner ganzen Fülle zu leben — ohne es mit der Vernunft begreifen zu wollen. Zen konzentriert sich auf das Erleben und Handeln im Hier & Jetzt und zielt darauf ab den (fortwährend aktiven und) selbstbezogenen Geist zur Ruhe zu bringen. Zen wird v.a. praktiziert durch Meditation und Konzentration auf die Gegenwart. Erfüllung wird gefunden durch die Wahrnehmung des Augenblicks und das Aufgeben des Selbst, um zur Erkenntnis zu gelangen eins mit Allem zu sein — nur ein Teil eines großen Ganzen.

Laut den Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius findet der Mensch Erfüllung durch lebenslanges Lernen. Sein Ideal für einen Menschen war das „Edle“ im Sinne eines moralisch Guten, ähnlich wie die griechischen Philosophen. Moralisch gut wird der Mensch indem er Harmonie mit dem Weltganzen findet, durch Gleichmut und Gleichgewicht — den Weg dorthin sah Konfuzius vor allem in der Bildung.


Zum Abschluss

Vielleicht liefert diese kleine Übersicht Glücklicher Ansätze Ihnen den ein oder anderen Denkanstoß. Und ich hoffe Sie sind nicht zu sehr enttäuscht, dass es keine wirklichen Abkürzungen zum Glück gibt, zumindest keine nachhaltigen. Vielleicht lässt sich die Suche zum Glück allerdings ein bißchen vereinfachen, insbesondere mit dem kombinierten Modell — was denken Sie?

Wenn Sie das Thema interessiert, Sie in die Diskussion einsteigen oder einfach nur mehr erfahren wollen, freue ich mir über Ihre Kommentare.

Wir entwickeln mit zentor das kombinierte Modell weiter — auf Basis psychologischer Erkenntnisse, wissenschaftlicher Forschung und technischer Lösungen — um möglichst vielen Menschen einen digitalen Mentor auf unserer Purpose Plattform auf dem Weg zu einem erfüllenden Leben zur Seite zu stellen.